Erika Mayer
von Alice Birch Deutsch von Corinna Brocher
Regie Sophia Aurich | Bühne & Kostüme Martha Pinsker | Musik Friederike Bernhardt
Dramaturgie Alexander Kratzer | Licht Marcel Busà | Regieassistenz Leonie Vitroler
mit Salome Zehnder, Christina Tzatzaraki, Sophia Fischbacher, Lucas Riedle
Premiere am 20. März 2026 am Schauspielhaus Salzburg
"damit sie zu Asche werden könnte.
damit sie zu Luft werden könnte.
damit sie zu Nichts werden könnte."
[BLANK] ist ein kraftvolles Kaleidoskop aus einhundert scheinbar unzusammenhängenden frei kombinierbaren Szenen – eine szenische Versuchsanordnung, die sich im Kontext familiärer Konstellationen episodisch um Verbrechen, Strafe und die Hoffnung auf ein Danach dreht. Alle Figuren geraten in die Mühlen eines Systems, das kaum auf Heilung, sondern auf Verwaltung setzt. Gewalt gebiert Gewalt, Sprachlosigkeit trifft auf institutionelles Versagen. Und dennoch: Da sind auch Nähe, Zärtlichkeit, schwarzer Humor – und der unerschütterliche Wunsch, dem ewigen Kreislauf von Gewalt und Missbrauch zu entkommen. Zwischen Psychorealismus und Fantastik, Sprachwucht und Stillstand entstehen intensive Figuren im Zustand der Katatonie, tief verstummt und zugleich radikal laut. Es entwickeln sich Verbindungen und Kreuzungen zwischen den variierenden Geschichten und ihrer Figuren. Doch alle eint ein Blick auf das Menschsein, die Suche nach gesellschaftlichem Zusammenhalt und die Hoffnung auf Veränderung.
Pressestimmen
Modern und düster: Die Szenenauswahl von Sophia Aurich für [BLANK] evoziert ein Schauspiel, das sich wie ein Reigen immer weiterdreht.
Was so einfach klingt, ist eine Herausforderung, an der vorangegangene Inszenierungen scheiterten. An ihnen wurde der fehlende rote Faden bemängelt, was bei 100 losgelösten Episoden durchaus nachvollziehbar erscheint. Umso schöner, wie Sophia Aurich (Regie) diesen Fauxpas für Salzburg elegant umschifft. Dafür dröselte die Regisseurin das Spiel auf und verstreut die einzelnen Szenen über das ganze Stück, um die Enden immer wieder aufzugreifen und weiterlaufen zu lassen. Damit kreierte sie ein buntes und zugleich düsteres [BLANK]-Potpourri, das das Publikum abholt und mitnimmt.
[…] Übersetzt bedeutet der Titel [LEER], dementsprechend wird auf der Bühne vieles angedeutet und nicht alles ausgesprochen. Das Schauspielquartett mit Sophia Fischbacher, Lucas Riedle, Christina Tzatzaraki und Salome Zehnder jongliert dafür mit den diversen Eigenheiten ihrer höchst unterschiedlichen Figuren und kreiert ein düsteres Kaleidoskop aus Eigenheiten, die sich je nach Mini-Szene überstülpen lassen.
Körpersprache und Mimik sind die Mittel von Lucas Riedle. Ein kurzer Griff zur Nase genügt, und aus dem Erwachsenen wird ein Kind, wenig später steht ein kontrollierter Ermittler auf der Bühne. Salome Zehnder bewegt sich zwischen aggressiver Abwehr und verletzlicher Abhängigkeit, Christina Tzatzaraki setzt auf leise Empathie und ruhige Präsenz, während Sophia Fischbacher eine dokumentarisch wirkende Distanz zeigt, hinter der sich persönliche Brüche andeuten. Vier Spieler*innen, die nicht Figuren darstellen, sondern Zustände verkörpern.
Bühnenbild und Kostüm verstärken diesen Eindruck. Schwarzflächen, ein verlassener Spielplatz mit Klettergerüst, eine heruntergefallene Eistüte und ein Karussell, das eher Stillstand als Bewegung symbolisiert. Ein Ort, der gleichzeitig Kindheit und Verfall, Großstadt und Einsamkeit in sich trägt. Beleuchtung, Musik und Choreografie verbinden die Szenen, ohne sie zu erklären. Übergänge entstehen eher atmosphärisch als logisch (Bühne und Kostüme: Martha Pinsker, Musik: Friederike Bernhardt, Choreografie: Campbell Caspary).
[…] Am Ende entsteht ein erstaunlich geschlossenes Drama, das dennoch Unruhe, Beklemmung und gelegentlich auch eine trockene, böse Ironie ausstrahlt. [BLANK] ist vieles, aber sicher nicht leer."
WHAT I SAW FROM THE CHEAP SEATS: Mix’n’Match am Schauspielhaus
"Aus hundert frei wählbaren Szenen besteht das Stück [BLANK] der britischen Dramatikerin Alice Birch. 19 davon hat die Regisseurin Sophia Aurich in einen Reigen verstörender Momente im Umfeld von Beziehung und Familie, Vernachlässigung und Gewalt geflochten. Eine klug erdachte und – bei allen verhandelten Problemen – anregende Produktion.
Sophia Fischbacher, Christina Tzatzaraki, Lucas Riedle und Salome Zehnder teilen all diese Figuren und die Rollen unter sich auf. Sie überzeugen als Erwachsene, wie als Jugendliche mit größter darstellerischer Intensität. Es ist eine grundsätzlich eher leise Produktion, die Emotionen kochen unter Hochdruck.
Schier unerträglich die zunächst märchenhaft anmutende Geschichte vom sehr kleinen Mädchen in der Streichholzschachtel, das sich danach sehnt aufhören können zu sein, „damit sie zu Nichts werden könnte“. Tragisch die realistische Szene einer Mutter, die – nachdem sie ihrer süchtigen und diebischen Tochter weitere Hilfe verweigert hatte – vom Tod ihres Kindes erfährt. Erschütternd die Reaktion einer Jugendlichen angesichts des unbekannten Toten im Park. Wenn sie tot wäre und einer ihre Haare streichelte und ein Gedicht aufsagte oder ein Gebet spräche, sinniert sie, „ich glaube ich hätte dann Frieden“.
Mitsamt dazwischen hüpfendem Hasen ein anspruchsvoller, überaus bewegender Abend."
DrehPunktKultur: Heftiges Theater zum selber denken
"Sophia Fischbacher, Lucas Riedle, Christina Tzatzaraki und Salome Zehnder treten manchmal unter ihrem eigenen Vornamen und dann wieder unter diversen Phantasienamen auf. Sie alle wechseln gekonnt zwischen den unterschiedlichsten Rollen, werden mal zum Täter, dann wieder zum Opfer.
Die Welt, die Alice Birch in [BLANK] skizziert, wobei Worte in eckigen Klammern nicht gesprochen werden, also [LEER], ist eine endlose Spirale der Gewalt. Die brutale Sozialstudie wurde von Sophia Aurich mit großer Intensität in Szene gesetzt und lässt wohl niemanden kalt."
Dorfzeitung: [BLANK] – Die Familie als Keimzelle der Gewalt




















